Abschied von Kanada – vom Boya Lake bis nach Vancouver und weiter in die USA
So langsam zog es uns in Richtung Süden. Unser nächstes Ziel war der Boya Lake Provincial Park, in den wir uns bereits auf dem Hinweg verliebt hatten. Deshalb machten wir uns früh auf den Weg, um einen der heiss begehrten Stellplätze direkt am See zu ergattern. Die Rechnung ging auf: Gegen Mittag standen wir auf einem traumhaften Platz direkt am Wasser, umgeben von blühendem Fireweed und ohne unmittelbare Nachbarn. Den haben wir uns gleich für zwei Nächte gesichert. Wir sind in den See gesprungen, haben die Sonne genossen und sassen abends gemütlich am Lagerfeuer. Ein kleiner Spaziergang zum Biberbau war eigentlich schon das ganze Programm – ansonsten genossen wir unseren persönlichen „Nichtstun-Tag“ an diesem wunderschönen See.
Doch irgendwann mussten wir uns auch vom Boya Lake verabschieden. Unser nächstes Ziel war Stewart. Dort waren wir mit Karin und Adi verabredet, Die beiden waren aus Irland zurück und Richtung Norden unterwegs. Am Clements Lake bot sich damit die letzte Gelegenheit für ein gemeinsames Wiedersehen.
Schon die Fahrt nach Stewart begeisterte uns erneut, und auch die Tierwelt liess nicht lange auf sich warten. Vier Bären und einen Elch konnten wir unterwegs beobachten. Am Clements Lake angekommen, folgte dann eine lustige Überraschung: Auf dem Campingplatz trafen wir gleich mehrere Reisende wieder, die uns im Laufe der vergangenen Wochen begegnet waren. Menschen, die wir im Yoho National Park, in Dawson City, auf dem Dempster Highway oder sogar in Drumheller kennengelernt hatten, standen plötzlich alle am selben See. Zufälle gibt es.
Gemeinsam verbrachten wir einen wunderbaren Abend – und feierten gleichzeitig Karins Geburtstag. Bei strahlendem Sonnenschein verbrachten wir den nächsten Tag am Clements Lake, schwammen im erfrischenden Wasser und genossen die Bergkulisse. Während unsere Reisefreunde den Salmon Glacier erkundeten, blieben wir am See und genossen die Ruhe. Immer wieder kamen Einheimische nach Feierabend für einen kurzen Schwumm vorbei, bevor am Abend wieder Stille einkehrte.
Die Strecke entlang des Highway 37 gen Süden präsentierte sich erneut mit traumhafter Landschaft und Gletschern. Immer wieder aufregend, faszinierend und einfach toll.
Nun kamen wir in die Region, die aktuell stark von grossen Waldbränden betroffen ist und die Rauchentwicklung nahm deutlich zu. Die Vorstellung, dass diese gewaltigen Feuer seit Wochen brannten und für die Menschen in der Region zum Alltag geworden waren, war bedrückend. Nach einem langen Fahrtag erreichten wir Smithers, wo ein gemütlicher Abend auf dem Programm stand.
Von Smithers ging es weiter Richtung Süden. Die Landschaft veränderte sich zunehmend: Statt spektakulärer Berge und Seen bestimmten nun Felder, Farmen und kleine Ortschaften das Bild. In Vanderhoof machten wir einen kurzen Spaziergang und erfuhren dabei, dass sich hier die geografische Mitte von British Columbia befindet. Am Abend erreichten wir Prince George, wo wir mitten in der Stadt einen überraschend ruhigen Übernachtungsplatz im Lheidli Tenneh Memorial Park fanden. Wir kamen mit anderen Reisenden ins Gespräch, die am selben Ort übernachteten – und wie so oft wurde aus einem kurzen Plausch ein langer Abend.
Da wir langsam genug davon hatten, nur Kilometer zu machen, beschlossen wir am nächsten Tag spontan, einen Umweg nach Barkerville einzulegen. Das historische Städtchen wurde 1862 gegründet und war einst das Zentrum des Cariboo-Goldrauschs. Heute ist Barkerville ein riesiges Freilichtmuseum mit über hundert historischen Gebäuden und kostümierten Darstellern, die das Leben während der Goldgräberzeit wieder zum Leben erwecken.
Obwohl wir bei einem solchen Touristenort zunächst eher skeptisch waren, wurden wir positiv überrascht. Wir verbrachten mehrere Stunden damit, durch die historischen Strassen zu schlendern, Geschäfte zu erkunden und uns auf eine kleine Zeitreise einzulassen. Auf der Rückfahrt sorgte dann einmal mehr die Tierwelt für Unterhaltung: Eine Elchkuh mit ihrem Jungen stand gemütlich in einem See und liess sich beim Fressen beobachten.
Am Abend erreichten wir Williams Lake. Dort machten wir noch eine Wildlife-Bekanntschaft der etwas anderen Art. Während einer kurzen Pinkelpause in den Büschen traf Dani direkt auf ein Nest der kanadischen Riesenwespe. Die Reaktion der Wespen liess nicht lange auf sich warten, sie machten Jagd auf die Gefahr und eine erwischte ihn am Ohr. So schnell war er wohl schon lange nicht mehr unterwegs gewesen. Trotzdem wagten wir uns noch für einen Spaziergang in das Nature Center, vor dessen Toren wir übernachteten.
Am nächsten Morgen führte uns die Reise weiter Richtung Pemberton. Bereits kurz nach Prince George wurde der Rauch der Waldbrände wieder dichter und die Luft war teils stark verraucht. Gleichzeitig erreichten uns immer wieder Meldungen über Evakuierungswarnungen und gesperrte Strassen. Unsere Route war bisher allerdings nicht direkt betroffen. In Cache Creek legten wir sogar noch einen Zwischenstopp ein – der berühmte Taco-Stand hatte uns bereits auf dem Hinweg überzeugt. Nur kurze Zeit später wurde die Strasse, auf der wir gerade noch gefahren waren, tatsächlich wegen eines ausser Kontrolle geratenen Feuers gesperrt. Wir hatten sie nur etwa 45 Minuten zuvor passiert. Eine deutliche Erinnerung daran, wie unberechenbar die Situation durch die Waldbrände war. Das war auch der Grund, warum wir diese Strecke sehr zügig mit langen Fahrtagen und wenigen Stopps hinter uns gebracht haben.
Auf dem Highway 99 entspannte sich die Lage glücklicherweise wieder. Der Rauch wurde weniger und schon bald konnten wir die spektakuläre Landschaft wieder geniessen. Da wir aufgrund der Strassensperrung allerdings etwas vorsichtiger geworden waren, suchten wir uns in der Nähe von Pemberton lieber frühzeitig einen Übernachtungsplatz. Der ursprünglich geplante Campingplatz war natürlich am Wochenende bereits voll, doch wir fanden schliesslich einen ruhigen Platz etwas abseits der Strasse.
Am nächsten Morgen brachte Regen eine willkommene Abkühlung und hoffentlich den von den Feuern geplagten etwas Entspannung. Wir liefen zu den Nairn Falls und genossen den schönen Weg entlang des Flusses. In Whistler schlenderten wir noch einmal durch das Village und nutzten die Gelegenheit für ein wenig Shopping. Anschliessend liessen wir es uns bei einem feinen Abendessen mit Steak und einem Glas Wein gut gehen. Am nächsten Morgen stand dann ein weniger glamouröser, aber notwendiger Programmpunkt auf dem Plan: Wäsche waschen. Nach mehreren Wochen im Camper war wieder einmal eine grössere Waschaktion fällig.
Dafür entdeckten wir in Whistler Creekside eine kleine Bäckerei mit dem passenden Namen „Bred – Bread by Fred“. Und dieses Brot war tatsächlich das bisher beste unserer Reise. Mit frischem Brot im Gepäck ging es weiter Richtung Vancouver. Kurz vor Squamish wartete dann noch eine letzte grosse Überraschung auf uns: Ein Bär überquerte direkt vor uns den vierspurigen Highway. Wir konnten ihn gerade noch filmen, bevor er zwischen den Bäumen verschwand. Vermutlich war es unsere letzte Bärensichtung in Kanada – ein würdiger Abschluss.
In Vancouver angekommen, führte unser erster Weg zur Mercedes-Garage. Bei Rhöni war eine Sensor- und Lenkungsproblematik aufgetreten, und nun sollte endlich geklärt werden, was dahintersteckte. Da die Reparatur etwas länger dauern würde, mussten wir unseren Camper für zwei Tage in der Werkstatt lassen. Wir haben die Zeit genutzt, um Vancouver etwas zu erkunden und starteten bei den A-Maze-ing-Statuen. Abschliessend ging es mit der False Creek Ferry nach Granville Island, wo wir den Markt, die kleinen Geschäfte und die vielen Künstler erkundeten. Nach dem Zmittag bei Tom Shushi ging es weiter zum Stanley Park und ins Vancouver Aquarium. Dort verbrachten wir mehrere Stunden zwischen Meerestieren und interessanten Ausstellungen, bevor wir am Ufer entlang Richtung Canada Place spazierten. Die imposanten Kreuzfahrtschiffe, Wasserflugzeuge und der berühmte Digital Orca boten noch einmal eine ganz andere Seite Kanadas.
Am nächsten Tag hiess es erneut warten. Die Mercedes-Garage musste ein Ersatzteil bestellen und klärte gleichzeitig mit Mercedes Schweiz, ob die Reparatur unter die Garantie fällt. Wir nutzten die Zeit, um Fotos zu sortieren, unsere Website zu aktualisieren und die vergangenen Wochen etwas Revue passieren zu lassen.
Am 28. Juli war es dann endlich so weit: Rhöni war repariert und wir konnten unsere Reise fortsetzen. Ob die Reparaturkosten tatsächlich von der Garantie übernommen werden, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht geklärt. Wir bezahlten zunächst selbst und wollten die Angelegenheit später klären.
Damit war aber auch ein grosser Moment gekommen. Es hiess bye bye Canada.
Nach so vielen Wochen, Tausenden von Kilometern, unzähligen Begegnungen und Erlebnissen fiel uns dieser Abschied schwer. Gleichzeitig freuten wir uns aber sehr auf das nächste Kapitel unserer Reise.
Am frühen Nachmittag überquerten wir die Grenze in die USA und erreichten den Bundesstaat Washington.
Diverse Bilder:





























