13 – Washington – Vulkane, Rauch und tolle Eindrücke

Vom North Cascades National Park zum Mount St. Helens – unterwegs im Bundesstaat Washington

(29.07.2026 – 08.08.2026)

Nach unserem Abschied von Kanada begann für uns ein neues Kapitel der Reise: der Bundesstaat Washington. Zunächst hiess es, die Vorräte wieder aufzufüllen und die letzten kanadischen Dollar loszuwerden. Nachdem mehrere Banken den Umtausch abgelehnt hatten, bekamen wir den Tipp, es in einem Kasino zu versuchen. Gesagt, getan – und weil wir schon einmal dort waren, verzockten wir spontan noch je 20 Dollar. Der Wechselkurs unserer kanadischen Dollar wurde dadurch zwar nicht besser, aber immerhin hatten wir etwas zu lachen.

Anschliessend machten wir uns auf den Weg Richtung North Cascades National Park. Ein Teil des Parks wird von Stauseen, Dämmen und Wasserkraftwerken geprägt. Auf dem Gorge Overlook Trail konnten wir einen ersten Eindruck von dieser Landschaft gewinnen und kamen dabei mit einem pensionierten Ehepaar aus Florida ins Gespräch. Die beiden waren mit einem Truck Camper, Anhänger und noch einem Motorrad unterwegs und schenkten uns kurzerhand ihre Strassenkarte von Washington, die sich für unsere weitere Reiseplanung als äusserst hilfreich erweisen sollte.

Am Nachmittag wanderten wir den Thunder Knob Trail hinauf. Nach einer etwas wackligen Brücke führte der Weg durch den Wald stetig bergauf, bis sich vor uns der türkisfarbene Diablo Lake öffnete. Die Farbe des Sees war spektakulär und liess uns trotz der sichtbaren Stromleitungen und Gebäude staunen. Für die Nacht fanden wir einen einfachen Stellplatz im National Forest. Dort lernten wir Kent und Jan aus Arizona kennen, die ihre Sommer ebenfalls im Camper verbringen. Sie luden uns spontan zu sich nach Arizona ein – eine Einladung, die wir uns natürlich gerne merkten.

Am nächsten Tag erkundeten wir den bergigeren Teil des Nationalparks. Der Blue Lake Trail führte uns zunächst durch den Wald und anschliessend durch eine wunderschöne alpine Landschaft. Noch etwas Schnee lag an den Berghängen, und bei strahlendem Sonnenschein lag schliesslich der tiefblaue See vor uns. Ganz so einsam wie auf unseren Wanderungen im Yukon oder in Alaska war es allerdings nicht mehr. Rund dreissig Menschen tummelten sich gleichzeitig am See, einige davon sogar im Wasser. Und mitten in diesem Trubel tauchte völlig unerwartet eine Mountain Goat auf – damit hatten wir nun wirklich nicht gerechnet.

Nach der Wanderung fanden wir einen wunderschönen Platz mitten im Wald und gönnten uns einen entspannten Nachmittag. Nach all den Abenteuern der vergangenen Wochen haben wir unsere mozzarellafarbenen Beine in kurze Hosen gesteckt, sie hochgelegt und etwas ans Tageslicht gewöhnt.

Unsere Route führte uns anschliessend über den Cascade Scenic Loop langsam Richtung Mount Rainier. Schon am Morgen bemerkten wir wieder deutlich den Rauch der Waldbrände. Die Luft wurde zunehmend diesig und die Warnmeldungen auf unseren Handys machten uns etwas unsicher. Ein Zwischenstopp beim Visitor Center in Winthrop brachte jedoch Entwarnung: Die Strassen waren offen und wir konnten problemlos weiterfahren. Winthrop selbst überraschte uns mit seinem besonderen Charme. Wir schlenderten gemütlich durch die kleine Hauptstrasse und gönnten uns ein Mittagessen, bevor wir unsere Fahrt durch die zunehmend trockene und rauchige Landschaft fortsetzten. Statt dichter Wälder erwarteten uns nun wüstenähnliche Hügel und der gewaltige Columbia River, den wir zunächst tatsächlich für einen See hielten.

Am Nachmittag erreichten wir Leavenworth. Das ehemalige Holzfällerstädtchen hatte nach der Verlegung des Eisenbahnknotens schwere wirtschaftliche Zeiten erlebt und wurde in den 1960er-Jahren aufgrund einer Marketingidee kurzerhand komplett im alpinen Stil umgestaltet. Das Ergebnis wirkte auf uns ein wenig wie ein bayerisches Dorf auf Steroiden aber lustig war es allemal. Bei einem kühlen Bier liessen wir den heissen Nachmittag ausklingen, bevor wir ausserhalb der Stadt einen ruhigen Stellplatz am Fluss fanden.

Am nächsten Tag entschieden wir uns erneut für eine Scenic Route. Über den Highway 821 ging es durch den Yakima Canyon, und was uns dort erwartete, war einmal mehr völlig anders als die Landschaften der vergangenen Tage und anders als wir es in Washington erwartet hatten. Gelbe, trockene Felslandschaften erinnerten an eine Wüste, während sich dazwischen der Fluss mit seinem grünen Ufer durch den Canyon schlängelte. Bei schönstem Wetter waren zahlreiche Menschen mit SUPs, Booten und Schwimmreifen auf dem Wasser unterwegs. Wir entschieden uns gegen das beliebte River Tubing und genossen stattdessen eine ausgiebige Pause am Flussufer.

Mount Rainier National Park empfing uns am nächsten Morgen mit dichtem Nebel und Wolken. Auf der Fahrt zur Paradise-Seite kauften wir unseren Jahrespass für die amerikanischen Nationalparks. Mount Rainier selbst versteckte sich leider den ganzen Tag in den Wolken. Auch das Verkehrschaos und die Parkplatzsuche rund um das Visitor Center waren uns schlicht zu viel. Deshalb verliessen wir den Bereich um das Visitor Center bald wieder und suchten uns an den Reflection Lakes eine ruhigere Möglichkeit zum Wandern.

Diese Entscheidung erwies sich als Glücksgriff. Der Weg führte durch Wälder und über offene Lichtungen, und irgendwann riss die Wolkendecke auf. Plötzlich lagen die umliegenden Berge im Sonnenschein vor uns und von einem Aussichtspunkt konnten wir tief hinunter auf die Seen blicken. Grandios. Nur der grosse Namensgeber des Parks blieb weiterhin verborgen. Dafür entdeckten wir unseren ersten Pfeifhasen – zumindest war es laut KI einer – und waren auch ohne Mount Rainier mit dem Wandertag sehr zufrieden.

Am nächsten Morgen standen wir früh auf und fuhren zur Sunrise-Seite des Parks. Eigentlich erwartete uns perfektes Wetter, doch der Wind hatte den Rauch der umliegenden Waldbrände direkt in unsere Richtung getrieben. Die Sonne stand als leuchtend roter Ball am Himmel und tauchte die Landschaft in ein beinahe surreal wirkendes Licht. So schön die Farben auch waren, der starke Rauch erinnerte gleichzeitig daran, dass diese Stimmung durch die gewaltigen Waldbrände entstand.

Aufgrund der schlechten Luftqualität entschieden wir uns für eine kürzere Wanderung. Der Sourdough Ridge Trail führte uns zum Frozen Lake und bot unterwegs immer wieder fantastische Ausblicke. Für einen kurzen Moment lichtete sich der Rauch sogar so weit, dass wir die Umrisse des Mount Rainier erahnen konnten. In der Ferne entdeckten wir einen Schwarzbären. Während wir zunächst dachten, ihn nur aus sicherer Entfernung beobachten zu können, stellte sich bald heraus, dass er direkt neben unserem Rückweg stand. Immer mehr Wanderer sammelten sich an der Stelle und warteten. Der Bär liess sich von der neugierigen Menschenmenge überhaupt nicht beeindrucken und frass seelenruhig weiter. Schliesslich schlossen wir uns mit einer Gruppe von etwa zehn Personen zusammen und gingen gemeinsam an ihm vorbei. Ein durchaus nervenaufreibender Moment – vor allem, als der Bär direkt neben dem Weg einmal kurz stehen blieb und sich zu uns umblickte. Aber schliesslich kackte er in aller Seelenruhe und machte damit deutlich, dass wir im egaler nicht sein konnten.

Durch den Rauch ist der Vulkan fast nicht zu sehen.

Danach führte uns die Reise in den Ike Kinswa State Park. Dort fanden wir einen wunderschönen Platz im Wald direkt am See. Eigentlich wollten wir nur eine Nacht bleiben, doch weil es so schön war, verlängerten wir spontan. Die Entscheidung war goldrichtig: Zwei herrliche Tage mit Schwimmen, Nichtstun und Entspannung lagen vor uns.

Nach dieser kleinen Pause führte uns die Reise weiter Richtung Mount St. Helens. Der Tag begann mit einer scheinbar endlosen Einkaufstour. Lebensmittel, Apotheke, Tanken und weitere Besorgungen kosteten wie immer mehr Zeit als gedacht. Immerhin erreichten wir das Visitor Center des Mount St. Helens gerade noch kurz vor der Schliessung und konnten uns dort wertvolle Tipps für den nächsten Tag holen.

Unser Übernachtungsplatz beim Sediment Dam war wunderbar ruhig. Dort kamen wir mit einem Ingenieur ins Gespräch, der am Bau des Damms beteiligt war und schauten uns eine Dokumentation über den verheerenden Vulkanausbruch von 1980 an.

Am nächsten Morgen erkundeten wir die verschiedenen Aussichtspunkte rund um den Mount St. Helens. Der Rauch erschwerte zwar den Blick auf den Vulkan, doch der gewaltige Krater war zumindest zu erahnen. Zum Johnson Ridge Observatory konnten wir wegen eines Erdrutsches nicht fahren – die Strasse soll erst 2027 wieder vollständig geöffnet werden. Dafür bot das Coldwater Ridge Visitor Center interessante Einblicke in die Geschichte des Ausbruchs, auch wenn die Einrichtungen doch schon sehr in die Jahre gekommen sind und der Besucherstrom in den letzten Jahren merklich nachgelassen hat.

Am Nachmittag stand ein Erlebnis auf der anderen Seite des Mount St. Helens auf dem Programm: die Ape Caves. Dabei handelt es sich um kilometerlange Lavahöhlen, die beim Ausbruch entstanden sind. Über eine Treppe im Wald kommt man in die stockdunkle Höhle. Mit Taschenlampen bewaffnet, haben wir eine der Röhren bis zum Ende erkundet. Ein wirklich eindrückliches Erlebnis.

Ein Tipp eines Mitarbeiters führte uns anschliessend noch zu einer Lichtung, von der aus wir tatsächlich einen klaren Blick auf die Rückseite des Mount St. Helens erhielten. Übernachtet wurde wenig später beim Trail of Two Forests, wo wir den Abend beim Grillen ausklingen liessen.

Der Trail of Two Forests am nächsten Morgen war kurz, aber ausgesprochen faszinierend. Überall im Boden sind die Spuren des Vulkanausbruchs sichtbar: Löcher und Hohlräume, die entstanden, als Lava um Bäume herumfloss und diese schliesslich verbrannten. Heute wächst darüber wieder ein neuer Wald – daher der Name des Trails, der den alten und den neuen Wald miteinander verbindet.

Weiter ging es entlang des Swift Reservoirs zurück zum Columbia River. Kurz entschlossen wollten wir uns auch die Columbia Gorge anschauen. Das vermeintliche Visitor Center entpuppte sich als Museum. Tja Nina, etwas genauere Recherche wäre hilfreich. Ein Interpretive Center ist eben kein Visitor Center. Aber da wir schon mal da waren, haben wir uns das natürlich angeschaut. Es hatte ein paar interessante Ausstellungsstücke, vor allem der Dan Danielson Truck, haha. Da mussten wir natürlich ein Foto machen. Insgesamt war es eine eher seltsame Mischung an Stücken von indigener Kunst über Geschichte über alte Fuhrwerke, Möbel, Instrumente. Die Linie der Ausstellungsstücke war nicht wirklich erkennbar, aber lustig war es allemal.

Am späten Nachmittag wollten wir uns eigentlich noch die berühmten Multnomah Falls in der Columbia River Gorge ansehen. Über die Bridge of Gods wechselten wir dafür kurz nach Oregon. Doch bereits am ersten Wasserfall wurde uns klar: Zu viele Menschen. Wir entschieden uns deshalb spontan gegen den gebuchten Eintritt und kehrten der Touristenansammlung den Rücken. Die Columbia Gorge ist riesig und bietet sicherlich noch viele ruhigere und ebenso schöne Ecken – für uns war heute einfach nicht der richtige Moment.

Auf dem Rückweg nach Washington bot sich uns als wunderbarer Bonus noch ein perfekter Blick auf Mount Hood.

Übernachtungsziel war heute die The O Historical Bar. Und wir hatten Glück. Einer seiner beiden «Parkplätze» auf der Wiese war frei, so dass wir dort übernachten konnten. In der Bar spielte an diesem Abend Live-Musik. Wir setzten uns zu drei Frauen aus Oregon an einen grossen Tisch und kamen sofort miteinander ins Gespräch. Aus einem einfachen Übernachtungsplatz wurde ein überraschend lustiger und geselliger Abend.

Und genau solche Momente machen diese Reise für uns aus: Nicht immer sind es die berühmtesten Sehenswürdigkeiten oder die spektakulärsten Wanderungen, die in Erinnerung bleiben. Oft sind es die spontanen Begegnungen, die unerwarteten Umwege, ein schöner Stellplatz am See oder ein Abend mit völlig fremden Menschen, der plötzlich zu einem gemeinsamen Erlebnis wird.