11 – Unsere letzten Wochen in Alaska und im Yukon

Zwischen Goldrausch, Gletschern und Bären – unsere letzten Wochen in Alaska und im Yukon

Nach den verrückten Erlebnissen rund um den Matanuska-Gletscher ging es weiter zum Hatcher Pass. Dort besichtigten wir die historische Independence Mine, die einst zu den grössten Goldminen des Bundesstaates gehörte. Inmitten der imposanten Bergwelt erinnern die gut erhaltenen Gebäude an die Zeit des Goldrauschs, als hier über 200 Menschen unter extremen Bedingungen lebten und arbeiteten. Leider machte uns ein heftiger Wolkenbruch einen Strich durch die Wanderpläne, sodass wir die Umgebung nur kurz erkunden konnten. Dafür verbrachten wir den Abend gemeinsam mit Daniela und Marcel an einem wunderschönen Übernachtungsplatz auf dem Pass am Lagerfeuer – bis auch dieses vom nächsten Regenschauer beendet wurde.

Am folgenden Tag trennten sich die Reisewege unseres Vierergespanns, diesmal vermutlich für längere Zeit. Für uns ging es weiter nach Seward. Schon die Fahrt entlang des Turnagain Arm begeisterte uns wieder, wie auch schon bei unserer letzten Alaska-Reise. Natürlich durfte auch das Erinnerungsfoto mit „Rhöni“ an derselben Stelle nicht fehlen, an der wir vor drei Jahren mit unserem Mietcamper gestanden hatten.

Unser Übernachtungsplatz an der Exit Glacier Road war ein Traum. Direkt im breiten Flussbett gelegen, verbrachten wir mehrere Nächte an diesem wunderschönen Ort – so lange wie bisher noch nirgends auf unserer Reise. Von hier aus starteten wir zu unserem nächsten Abenteuer: einer Hochsee-Angeltour vor Seward.

Für uns beide war es eine Premiere. Nach einer kurzen Einweisung ging es raus auf den Golf von Alaska. Die ruhige Resurrection Bay war schnell verlassen und auf offener See schaukelte sich unsere Fischerboot-Nussschale ganz schön ein. Auf der ersten Tourhälfte holten wir beide fleissig Fische aus dem Wasser. Nach einiger Zeit aber musste Dani den Wellen schliesslich Tribut zollen und verbrachte einen Teil des Nachmittags über der Reling und fütterte die Fische statt sie zu fangen. Nina konnte weiterfischen und holte noch einige stattliche Dorsche und Rockfish an Bord. Es gab Besuch von einem Wal direkt neben dem Boot und ein Weisskopfseeadler schnappte sich vor unseren Augen einen Fisch aus dem Wasser.

Am Ende des Tages warteten 17 Pfund frisch filetierter Fisch darauf, vakuumiert und tiefgekühlt den Weg in unsere Kühlbox zu finden. Diese war nun randvoll und unser Speiseplan für die nächsten Wochen ist klar.

Die Rockfish-Ecke

Eine Wanderung zum Exit Glacier durfte auch nicht fehlen. Der Tag begann mit strömendem Regen und so richtig Lust hatten wir daher beide nicht. Aber wir rafften uns dennoch auf. Und was waren wir froh, dass wir das gemacht haben. Diese Wanderung ist einfach schön, egal bei welchem Wetter. Der Weg führte zuerst durch dichten Wald, später öffnete sich der Blick auf den Exit Glacier und als wir bei den Marmite Meadows ankamen lichteten sich schliesslich auch die Wolken und wir gaben den Blick auf den Gletscher und auf das oberhalb liegende Harding Icefield frei. Unterwegs entdeckten wir Dallschafe hoch oben an den Berghängen und in der Ferne sogar einen Bären. Wir sind allerdings auch diesmal nicht ganz hoch bis zum Harding Icefied Ausblick gewandert, der Weg war noch schneebedeckt und das Eisfeld hüllte sich wieder in dichte Wolken. Zurück an unserem Übernachtungsplatz feierten wir den gelungenen Tag mit Fish Tacos – frischer hätte das Abendessen kaum sein können.

Langsam rückte der Abschied von Alaska näher. Über den Turnagain Arm und den Glenn Highway machten wir uns wieder auf den Weg Richtung Tok. Wir waren erst unschlüssig, ob der Wahl der Strecke, da wir den Glenn Highway ja auf dem Hinweg schon gefahren waren. Aber es zeigte sich wieder einmal, dass sich Landschaften und Eindrücke je nach Fahrtrichtung, Tag und Wetter verändern können. Berge, Flüsse und die sommerliche Blütenpracht Alaskas sorgten dafür, dass wir viel häufiger anhielten als eigentlich geplant. Selbst die Tierwelt überraschte uns noch einmal: Kurz nachdem wir scherzhaft festgestellt hatten, dass es in Alaska wohl kein Wildlife mehr gebe, kämpfte sich direkt neben der Strasse eine Elchkuh durch den Fluss.

Schliesslich hiess es Abschied nehmen von Alaska. Die Ausreise verlief ebenso unkompliziert wie die Einreise einige Wochen zuvor und schon bald rollten wir wieder über kanadische Strassen. Doch der Alaska Highway zeigte sich diesmal von seiner rauen Seite. Frostschäden, Baustellen und Schotterabschnitte forderten uns und Rhöni. Mehrfach trafen uns Steinschläge von entgegenkommenden Trucks, einer davon hinterliess einen Schaden in der Windschutzscheibe, ein weiterer beschädigte die Karosserie unseres Campers. Ärgerlich – aber bisher hielt Danis zweite Steinschlag-Reparatur den Riss in Schach.

Die Region des Kluane National Parks zeigte sich von ihrer schönsten Seite. Türkisblaue Seen, schneebedeckte Gipfel und die berühmten roten Parks-Canada-Stühle liessen uns immer wieder anhalten und geniessen. Der Kathleen Lake und der Kluane Lake begeisterten uns beide mit ihrem Farbspiel und der wunderschönen Bergkulisse. Die weitere Strecke führte durch wunderschöne, wechselnde Landschaften und wir hatten das Glück, einen jungen Elchbullen in der Ferne beobachten zu können.

Von Haines Junction führte unser Weg noch einmal zurück nach Alaska – diesmal nach Haines. Das kleine Hafenstädtchen empfing uns mit entspannter Atmosphäre und der Hoffnung auf Bärenbeobachtungen am Chilkoot Lake. Zwar entdeckten wir trotz frischer Kack-Spuren keinen einzigen Grizzly, dafür genossen wir einen entspannten Abend bei gutem Essen und lernten einmal mehr interessante Menschen aus den unterschiedlichsten Teilen Nordamerikas kennen.

Am nächsten Tag setzten wir mit der Fähre nach Skagway über. Während die Überfahrt ruhig verlief, zeigte sich der Unterschied zwischen den beiden Orten sofort. Wo Haines gemütlich und etwas verschlafen wirkte, empfing uns Skagway mit vier riesigen Kreuzfahrtschiffen und der entsprechenden Anzahl an Tagesgästen. Die historische Hauptstrasse erinnerte zwar an Dawson City, wirkte durch den grossen Besucherandrang jedoch deutlich touristischer und weniger authentisch. Schon nach wenigen Stunden zog es uns wieder hinaus in die Natur.

Über den White Pass verliessen wir Alaska endgültig. Während der Pass selbst in dichten Wolken verschwand, öffnete sich auf der kanadischen Seite erneut eine spektakuläre Berglandschaft. Am Tutshi Lake fanden wir einen traumhaften Stellplatz direkt am Wasser und haben den Fahrtag daher früher als geplant beendet und den Abend genossen.

Unsere Reise führte uns weiter nach Carcross (kurz für Caribou Crossing). Das kleine Dorf ist heute zwar ein beliebter Zwischenstopp für Kreuzfahrtgäste, die dort mit Bussen hingekarrt werden. dennoch fanden wir dort ein ausgezeichnetes Brot, frische Cinnamon Buns.

Wir haben noch einen kurzen Abstecher zum Emerald Lake gemacht. Wir müssten langsam wirklich mal zählen, wieviele Emerald Lakes wir schon gesehen haben. Dieser war recht klein und es gab einige Häuser am Ufer (ja, wir sind in der Zwischenzeit verwöhnt). Aber durch das das intensiv grün schimmernde Wasser machte er seinem Namen alle Ehre. Doch das eigentliche Highlight wartete am gegenüberliegenden Ufer: Eine Braunbärin streifte gemeinsam mit ihrem Jungen durch die Landschaft und bescherte uns eine wunderbare Beobachtung aus sicherer Entfernung. Kaum hatten wir uns von diesem Anblick losgerissen, entdeckten wir nur wenig später am Alaska Highway bereits den nächsten Braunbären.

Der Reiseabschnitt zeigte uns immer wieder, weshalb wir den Norden so lieben. Es sind nicht nur die spektakulären Berge, Gletscher und Seen, sondern vor allem die unzähligen kleinen Begegnungen – mit Menschen ebenso wie mit Tieren –, die diese Reise so besonders machen. Auch nach Wochen voller Abenteuer gelingt es der Natur immer wieder, uns sprachlos zu machen. Und genau das macht diese Reise durch Alaska und den Yukon zu etwas, das wir nie vergessen werden.


Diverse Bilder:

Offroad-Action am Berg beobachten
Irgendwann konnten sie Ihr Auto befreien.
Irgendwo im nirgendwo…
Carcross