07 – Rocky Mountains bis Pazifik – Vancouver Island

Von den Rocky Mountains bis an den Pazifik – unterwegs durch British Columbia und Vancouver Island

Unsere Reise führte uns in den vergangenen Tagen durch beeindruckende Landschaften. Von den majestätischen Bergen der Rockies über trockene Canyons und endlose Wälder bis hin zur wilden Pazifikküste von Vancouver Island zeigte sich British Columbia einmal mehr von seiner unglaublich vielseitigen Seite.

Den Auftakt dieser Etappe bildeten die Nationalparks rund um Revelstoke. Entlang des Trans Canada Highway machten wir Halt am Rogers Pass im Glacier National Park. Im Revelstoke National Park spazierten zwischen uralten Baumriesen auf dem Giant Cedars Boardwalk und erkundeten die sumpfige Landschaft des Skunk Cabbage Trail.

Revelstoke selbst überraschte uns mit seinem charmanten Ortskern, gemütlichen Restaurants, einem kleinen aber tollen Railwaymuseum und einer entspannten Atmosphäre. Die Panorama-Strasse „Meadows in the Sky“, verwöhnte uns mit fantastischen Ausblicken über die Stadt, den See und die umliegenden Bergketten.

Dank eines Tipps von Einheimischen fanden wir wenig später einen traumhaften Übernachtungsplatz direkt am Echo Lake. Als wir ankamen, waren noch andere dort, aber die verabschiedeten sich alle nach und nach und zur Übernachtung hatten wir den ganzen See für uns alleine.

Ein weiteres Naturerlebnis wartete bei den Halfway Hot Springs auf uns. Nach einer Fahrt inklusive Fährüberquerung und holpriger Schotterstrasse erreichten wir den Parkplatz. Kurz vorher sichteten wir unseren ersten Bären des Tages! Die Erholung musste man sich verdienen, ein steiler Weg führte hinab zu heissen Quellen, die direkt am Flussufer liegen. In den unterschiedlich warmen Pools konnten wir wunderbar entspannen, bevor wir uns im eiskalten Flusswasser wieder abkühlten. Die Rückfahrt bescherte uns dann einen weiteren Höhepunkt: ein  Bär direkt am Strassenrand, den wir noch kurz bewundern konnten, bevor er wieder in den Büschen verschwand.

Von Revelstoke führte unser Weg weiter Richtung Kamloops. Unterwegs wechselte die Landschaft überraschend stark ihr Gesicht. Statt dichter Wälder erwarteten uns plötzlich trockene Hügel, tiefe Canyons und echtes Wildwest-Feeling mit Ranches und Cowboys. Besonders in Erinnerung geblieben sind uns die legendären Tacos in Cache Creek, die von Einheimischen immer wieder empfohlen wurden – und tatsächlich zu den besten gehörten, die wir je gegessen haben.

Je näher wir Whistler kamen, desto vertrauter wurde die Landschaft wieder: türkisfarbene Seen, dichte Wälder und spektakuläre Bergkulissen säumten den Highway 99, in den wir uns regelrecht verliebten. Whistler bescherte uns viele «Weisst du noch-Momente», vor 10 Jahren waren wir auf unserer Hochzeitsreise schon einmal hier. Einen tollen kleinen Trail haben wir zu den Trainwrecks entdeckt – über einen Weg durch den Wald, eine kleine Hängebrücke geht es zu Güterwaggons, die seit den 50er Jahren dort liegen und mittlerweile zu Graffiti-Kunstwerken geworden sind. Auch die Brandywine Falls hinterliessen bleibenden Eindruck. Wir haben sie nur von oben bestaunt, da Ninas Knie schon der Abstieg zu den Hotsprings gereicht hat und wir mit einer erneuten Kletterpartie nichts riskieren wollten.

Kurz darauf erreichten wir einen weiteren Meilenstein unserer Reise: Bei Squamish öffnete sich der Howe Sound zur Strait of Georgia und damit zum Pazifik. Nach Tausenden von Kilometern durch Kanada standen wir erstmals wieder am Ozean.

Mit der Fähre setzten wir anschliessend nach Vancouver Island über. Bereits die ersten Tage auf der Insel waren gefüllt mit spektakulären Naturerlebnissen und herzlichen Begegnungen. In Duncan bestaunten wir die zahlreichen Totempfähle, während wir am Sooke River Campground einen schönen Abend mit neuen Freunden aus Oregon verbrachten. Weisskopfseeadler, Seehunde und später sogar Otter sorgten dabei für besondere Tierbeobachtungen.

Entlang der Westküste von Vancouver Island reihten sich die Höhepunkte beinahe im Minutentakt aneinander. French Beach, Sandcut Beach und Botanical Beach zeigten die wilde Schönheit der Pazifikküste mit ihren zerklüfteten Felsen, mächtigen Wellen und uralten Regenwäldern. Besonders faszinierend waren die Gezeitentümpel am Botanical Beach, in denen sich bei Ebbe eine faszinierende Unterwasserwelt entdecken lässt.

Auch Sombrio Beach begeisterte uns mit seinem versteckten Wasserfall, der sich durch einen moosbewachsenen Felsspalt in die Tiefe stürzt. Die Fahrt über die Pacific Marine Road führte uns durch mystische Regenwälder voller Flechten und moosbedeckter Bäume, vorbei an reissenden Bächen, uralten Fichten und dem berühmten Bonsai Tree im Fairy Lake.

Auf unserem Weg Richtung Ucluelet und Tofino durfte natürlich auch Cathedral Grove nicht fehlen. Die riesigen Douglasien und Zedern dieses alten Waldes lassen einen staunen. Wanderungen durch den Regenwald, spektakuläre Küstenwege und die endlosen Sandstrände von Long Beach und das ganze bei Traumwetter. Vancouver Island zeigte sich uns von seiner schönsten Seite. Gleichzeitig erreichten wir einen weiteren symbolischen Meilenstein: das pazifische Ende des Trans Canada Highway.

Nach vielen gefahrenen Kilometern gönnten wir uns anschliessend bewusst etwas Entschleunigung. Ein Besuch bei Mercedes in Nanaimo brachte die beruhigende Gewissheit, dass Rhöni weiterhin fit für die Reise Richtung Alaska ist. Gemeinsam mit Schweizer Reisefreunden erkundeten wir die Paradise Meadows am Mount Washington. Diese sind Teil des Strathcoma Provincial Parks, im Winter ein Skigebiet und im Sommer bieten sie wunderschöne Wanderwege, glasklare Seen und herrliche Berglandschaften.

Den vorläufigen Abschluss dieser Etappe bildete der Kitty Coleman Beach Provincial Park. Direkt am Meer gelegen, mit Blick auf schneebedeckte Berge am gegenüberliegenden Festland, erlebten wir dort einen traumhaften Sonnenuntergang und einen wunderschönen Abend.

Nach so vielen Eindrücken, Begegnungen und Erlebnissen haben wir uns schliesslich einen Ruhetag verdient und eine weitere Nacht bei Kitty anghängt. Zwischen Fotos sortieren, Website aktualisieren lassen wir auch einfach einmal mal die Seele baumeln. Immer wieder unfassbar, was wir schon alles erleben durften! Bald geht es nun in den Norden Vancouver Islands.


Diverse Bilder: